K + S AG

K + S AG: Systematisch angesetztes Transformationsprojekt für nachhaltigeren Bergbau

Case Study
Titel
K + S AG: Systematisch angesetztes Transformationsprojekt für nachhaltigeren Bergbau
Unternehmen & Organisation
K + S AG
Kategorie
Unternehmen
Themenbereich
Umwelt (Environment)
Anvisierte SDGs
13, 7
Jahr
2026
Die Transformation ressourcenintensiver Industrien zählt zu den zentralen Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung. Das Projekt „Werra 2060“ der K+S AG zeigt, wie technologische Innovationen genutzt werden können, um Umweltwirkungen direkt im Produktionsprozess zu reduzieren und industrielle Wertschöpfung langfristig nachhaltiger zu gestalten.

Als einer der größten Produzenten von Kalidüngemitteln in Europa spielt die K+S AG eine zentrale Rolle für die landwirtschaftliche Produktion und die Versorgungssicherheit mit Düngemitteln, aber auch mit kalium- und magnesiumhaltigen Rohstoffen für die chemische Industrie und Pharmaanwendungen. Gleichzeitig ist die Bereitstellung dieser essenziellen Rohstoffe eng mit ökologischen Herausforderungen verbunden, insbesondere im Umgang mit Salzabwässern und Rückständen. Mit dem Transformationsprojekt “Werra 2060” verfolgt die K+S AG einen systematischen Ansatz, um die ökologischen Auswirkungen der Kaliproduktion gezielt zu reduzieren und messbar zu verbessern.
 

Ausgangssituation

Die Gewinnung und Verarbeitung von Kali ist aufgrund der Zusammensetzung des unter Tage gewonnenen Rohsalzes zwangsläufig mit erheblichen Mengen an salzhaltigen Rückständen und Prozesswasser verbunden. Diese können durch Einleitungen in Flüsse oder durch sickerwasserbedingte Einträge in den Untergrund Auswirkungen auf umliegende Ökosysteme und Wasserressourcen haben. Insbesondere in Regionen mit intensiver Kaliproduktion stellt der Umgang mit Salzabwasser eine zentrale ökologische Herausforderung dar.

Für die K+S AG ergibt sich daraus ein grundlegendes Spannungsfeld: Einerseits ist Kali ein unverzichtbarer Rohstoff für die landwirtschaftliche Produktion und damit für die globale Ernährungssicherheit. Andererseits erfordert seine Gewinnung Lösungen, um Umweltbelastungen, insbesondere im Bereich Gewässerschutz, langfristig zu minimieren.

Vor diesem Hintergrund hat die K+S AG in sozialpartnerschaftlicher Kooperation mit der Arbeitnehmendenvertretung das Transformationsprojekt „Werra 2060“ entwickelt: Ein systemischer Ansatz, der über klassische Umweltmaßnahmen hinausgeht und auf eine grundlegende Neuausrichtung der Produktionsprozesse abzielt.

Zielsetzung

Mit „Werra 2060“ verfolgt die K+S AG das Ziel, die Kaliproduktion am Standort Werra langfristig bis zum Jahr 2060 zu sichern und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck signifikant zu reduzieren. Dafür investiert das Unternehmen rund 600 Mio. Euro in den Ausbau und die Modernisierung ihres größten deutschen Standorts im Werra-Kalirevier.


Im Zentrum stehen dabei drei miteinander verknüpfte Zielsetzungen:  

  • die deutliche Reduktion von salzhaltigem Produktionsabwasser

  • die Reduktion der Aufhaldung von festen Rückständen aus der Kaliproduktion 

  • die Senkung von energiebedingten Emissionen

Damit verbindet das sozialpartnerschaftlich entwickelte Projekt ökologische Anforderungen mit industriepolitischen und wirtschaftlichen Zielen, insbesondere der Sicherung einer stabilen Düngemittelproduktion in Europa.

Maßnahmen und Umsetzung

Technologische Transformation durch das ESTA®-Verfahren 

Der zentrale Hebel des Projekts ist die Weiterentwicklung eines trockenen Produktionsverfahrens (ESTA®), bei dem die Trennung der Salzminerale ohne den Einsatz von Wasser erfolgt.

Diese Umstellung markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Während herkömmliche Verfahren auf wasserintensiven Prozessen basieren, setzt die neue Technologie direkt an der Ursache der Abwasserentstehung an.

Durch die Implementierung des Verfahrens kann die Menge an anfallendem Prozesswasser am Werk Werra voraussichtlich um rund 50 % reduziert werden. Gleichzeitig sinkt der Energiebedarf der Verarbeitung, was zusätzliche positive Effekte auf die CO₂-Bilanz hat.

Sekundärabbau und untertägige Rückstandsverwertung 

Ein weiterer zentraler Bestandteil von „Werra 2060“ ist die Einführung eines sogenannten Sekundärabbaus mit Trockenversatz. Dabei werden feste Produktionsrückstände nicht mehr ausschließlich oberirdisch gelagert, sondern unter Tage in ausgebeutete Grubenbaue eingebracht, wo sie zur Stabilisierung der Hohlräume als Versatzmaterial dienen, um im Gegenzug zusätzliches hochwertiges Rohsalz zu gewinnen.

Im Ergebnis kann die Aufhaldung von Rückständen am Standort Wintershall um bis zu 90 % verringert werden. Gleichzeitig wird ein geschlosseneres Stoffstromsystem etabliert, das Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in den Bergbau integriert.

Ergebnisse und Übertragbarkeit

Seit dem Jahr 2000 hat die K+S AG den Anfall salzhaltiger Produktionswässer um rund 80 Prozent reduziert und die Chloridfracht in der Werra nahezu halbiert. Diesen Kurs setzt das Unternehmen mit „Werra 2060“ fort, indem es die Vermeidung von Umweltbelastungen direkt an der Quelle weiter in den Mittelpunkt stellt und die Haldenbildung signifikant verringert.

Das Projekt zeigt, dass ökologische Transformation und industrielle Wertschöpfung miteinander vereinbar sind.

Der Fall „Werra 2060“ verdeutlicht, dass nachhaltige Transformation in ressourcenintensiven Industrien vor allem dann gelingt, wenn Umweltaspekte nicht isoliert betrachtet, sondern direkt in die Produktionsprozesse integriert werden. Entscheidend sind dabei nicht ausschließlich nachgelagerte Maßnahmen wie Monitoring oder technische Sicherungssysteme, sondern vor allem Ansätze, die Umweltbelastungen bereits an ihrer Entstehungsquelle vermeiden oder deutlich reduzieren.

Die Case Study zeigt zudem, dass technologische Innovationen besonders wirksam sind, wenn sie mehrere ökologische Herausforderungen gleichzeitig adressieren, wie etwa Emissionen, Ressourcenverbrauch und Abfallströme. Dieser integrierte Ansatz kann auch für Unternehmen anderer Branchen relevant sein, die vor der Aufgabe stehen, industrielle Wertschöpfung mit steigenden Umwelt- und Regulierungsanforderungen in Einklang zu bringen. Langfristig angelegte Transformationsprojekte können dabei ein geeignetes Instrument sein, um ökologische, wirtschaftliche und regulatorische Ziele miteinander zu verbinden und industrielle Standorte zukunftsfähig aufzustellen.

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