PNZ Produkte – CO2-Reduktionsziele nach Science Based Targets bei einem KMU

Wie der Mittelständler PNZ Science Based Targets erreichen will

Case Study
Titel
Wie der Mittelständler PNZ Science Based Targets erreichen will
Unternehmen & Organisation
PNZ Produkte – CO2-Reduktionsziele nach Science Based Targets bei einem KMU
Kategorie
KMU
Themenbereich
Umwelt & Klima, Reporting
Anvisierte SDGs
9, 12, 13
Jahr
2020
Die Science Based Targets Initiative (SBTi) hilft Unternehmen einen Beitrag zur Begrenzung der globalen Emissionen von Treibhausgasen (THG) zu leisten und somit die gravierendsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu reduzieren. Aufgrund der technischen Anforderungen und des Ambitionsniveaus orientieren sich zurzeit vor allem große Unternehmen bei ihren Klimazielen an der SBTi. Diese Möglichkeit steht aber auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) offen. Das Beispiel von PNZ Produkte zeigt, wie KMUs ihre Treibhausgasemissionen und Reduktionsziele nach den Vorgaben der SBTi berechnen und sie so an den Pariser Klimazielen ausrichten können.

Ausgangssituation

Wissenschaftlich basierte Ziele in der individuellen Treibhausgasbilanzierung und -management (Science Based Targets - SBT) bieten Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren eigenen Klimaambitionen und -maßnahmen zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens beizutragen. Offiziell validiert werden diese Ziele durch die SBTi. Um auch kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU) die Ausarbeitung eigener Science Based Targets zu erleichtern, hat die Initiative im Jahr 2020 eine für KMU angepasste Verpflichtungserklärung zur Reduktion der Treibhausgase (THG) geschaffen. Diese enthält direkte Kriterien für Scope-1- Emissionen (direkte Emissionen von THG bspw. durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe) und Scope-2-Emissionen (indirekte Emissionen aus dem Bezug von Strom, Wärme und Dampf) und vereinfacht deren Festlegung durch vordefinierte Zieloptionen. So können sich KMUs zwischen dem 1,5-Grad-Ziel und dem „Well-Below-2°C“-Ziel entscheiden. D.h. deren Zielsetzung in der CO2-Reduktion basiert auf wissenschaftlichen Szenarien, die entweder darauf abzielen die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C, vorzugsweise auf 1,5°C Celsius, im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Alle teilnehmenden Unternehmen der SBTi müssen sich festgelegte Ziele zur Reduktion der Scope-1- und Scope-2-Emissionen setzen und darüber berichten. Im Gegensatz zu größeren Unternehmen verlangt die SBTi jedoch keine unmittelbaren Ziele für ihre Scope-3-Emissionen, d.h. Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Lieferkette. Diese müssen zwar ebenfalls erhoben und reduziert werden, die Angabe quantifizierter Ziele ist jedoch nicht verpflichtend.

Der Hersteller von Holzpflegeprodukten, PNZ Produkte, misst und kompensiert bereits seit über zehn Jahren seine CO2-Emissionen. PNZ beschäftigt rund 50 Mitarbeitende und hat sich dazu entschieden, die eigenen Klimaziele von der SBTi validieren zu lassen.

Zielsetzung & Umsetzungsansatz

Die Validierung der Klimaziele durch die SBTi war im Jahr 2020 laut PNZ der nächste logische Schritt, weil alle relevanten Daten bereits vorhanden waren. Das Unternehmen strebt dabei das 1,5-Grad-Ziel an und hat sich vorgenommen, seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen im Vergleich zu 2018 bis spätestens 2025 um 50% zu reduzieren. Darüber hinaus plant PZN auch bei den Scope-3-Emissionen eine quantifizierbare Reduzierung. Da das Unternehmen schnell wächst, berechnet die Holzpflege-Manufaktur die Emissionen pro Kiloprodukt. So will die Holzpflege-Manufaktur den gesamten CO2-Fußabdruck (von Scope 1 bis 3) bis spätestens 2030 pro Kiloprodukt im Vergleich zu 2021 um 66% senken, d.h. der Ausgangswert von 313 Gramm CO2 pro Kiloprodukt soll auf unter 100 Gramm pro Kiloprodukt kommen.

Große CO2-Einsparpotenziale sieht der Geschäftsführer von PNZ Produkte, Marcel Pietsch-Khalili, in der Installation einer neuen und effizienteren Heizungsanlage sowie in der Umstellung des eigenen Fuhrparks auf E-Mobilität (Scope 1). Darüber hinaus bezieht der Hersteller von Holzpflegeprodukten 100% des Stroms aus erneuerbaren Energien (Scope 2). Bei der Berechnung der Scope 3-Emissionen kommen zum Teil noch Schätzwerte des CO2-Fußabdruckes der Zulieferer zum Einsatz, die auf dem Anteil der verwendeten nachwachsenden Rohstoffe basieren. Die Emissionen sollen künftig aber noch genauer angegeben werden. Dazu steht das Unternehmen mit seinen Lieferanten in Kontakt. Als Teil der Scope-3-Emissionen werden Produkte bereits CO2-neutral versandt und auch Dienstreisen sollen künftig CO2-neutral erfolgen.

Neben dem reinen Klimamanagement ist die Verbesserung des Produktionsprozesses und die Reduktion ihrer Umweltauswirkungen ein zusätzlicher Fokus. So entwickelte PNZ einen firmeninternen Standard zur Behälterreinigung, der die gesamte Umweltbelastung des Prozesses um 90% reduziert. Des Weiteren konnte der Papierverbrauch durch verbesserte Verpackungslösungen um 50% gesenkt werden. Zur weiteren Verbesserung des gesamten Umweltfußabdruckes bleibt das Ziel geschlossener Stoffkreisläufe (in der Produktion) - und damit auch der CO2-Emissionen. Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe sowie die Wiederverwertung von Abfällen ist ein zusätzlicher Schwerpunkt. PNZ beteiligt sich hierfür an Cross-Industry-Projekten und steht im Austausch mit anderen Unternehmen, bspw. zur Analyse und Nutzung von Stoffkreisläufen über Industrien hinweg.

Das nächste Ziel des Unternehmens ist es brutto CO2-neutral und sogar CO2-negativ zu werden. Dazu arbeitet PNZ gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft an einem Forschungsprojekt, das sich mit der Extraktion von CO2 befasst. So sollen neue Produkte entstehen, die der Atmosphäre mehr CO2 entziehen, als bei der Produktion anfallen.

Ergebnis

Mit den bereits zum Teil sehr früh umgesetzten Maßnahmen konnte PNZ seine gesamten CO2-Emissionen pro Kiloprodukt seit 2012 schon um 85% reduzieren. Aktuell fallen noch etwa 150 Tonnen CO2 an, die das Unternehmen mit einem spezialisierten Offsetting-Unternehmen aus den Niederlanden kompensiert. PNZ sieht sich zudem auf einem guten Weg, mit den weiteren angestrebten Maßnahmen die von der SBTi validierten Ziele bis 2025 zu erreichen.

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