European Private Sector SDG Stocktake 2026 – Erste umfassende Analyse des UN Global Compact zu 21 europäischen Ländern

Pressemitteilung
Wo europäische Unternehmen bei den SDGs vorankommen – und wo noch Handlungsbedarf besteht
  • Vier Jahre verbleiben noch bis zur Umsetzung der Agenda 2030, doch nur 35 % der SDG-Ziele liegen weltweit im Plan.
  • Die Studie „European Private Sector SDG Stocktake 2026“ des UN Global Compact zeigt, welchen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der Privatsektor in Europa aktuell leistet.
  • Der durchschnittliche Beitrag zu den SDGs liegt bei 58,2 von 100 Punkten. Deutschland liegt mit 56,4 Punkten im europäischen Vergleich leicht zurück.
  • Für die Analyse wurden Daten von 5.793 Unternehmen des UN Global Compact aus 21 europäischen Ländern ausgewertet, darunter 715 Unternehmen aus Deutschland.  

Zentrale Ergebnisse

■ Der Privatsektor leistet mit 58,2 von 100 Punkten einen konkreten Beitrag zu den SDGs – über alle 21 europäischen Länder hinweg: Die meisten Länderergebnisse liegen nicht mehr als drei Punkte über oder unter dem Durchschnitt von 58,2. Deutsche Unternehmen erreichen durchschnittlich 56,4. Für jedes untersuchte SDG-Ziel wurde anhand verschiedener Indikatoren ein Beitragswert zwischen 0 und 100 berechnet. Ein Wert von 0 steht für keinerlei Beitrag, während 100 bedeutet, dass die Unternehmen alle im Communication on Progress-Report abgefragten Nachhaltigkeitsverpflichtungen eingegangen sind und Maßnahmen umgesetzt haben (für weitere Informationen zur Methodik – siehe Methodenteil). 

■ Soziale SDGs weisen höhere Werte auf als umweltbezogene Ziele: SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ schneidet mit 73,6 Punkten am besten ab. Das zeigt, dass Maßnahmen für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Maßnahmen zur Gesundheitsversorgung inzwischen fest in Unternehmen etabliert sind. Grundsätzlich gilt: Soziale SDGs erzielen durchweg höhere Werte als umweltbezogene SDGs. Dieser Unterschied kann darauf zurückzuführen sein, dass in Europa schon seit Langem Vorgaben für soziale Standards gelten. Auch Korruptionsprävention ist in den Unternehmen des UN Global Compact in Europa gut verankert (65,3 Punkte). 

■ Beitrag zum Klimaschutz eher moderat; Industrieunternehmen besser als Dienstleistungsunternehmen: Der durchschnittliche Beitrag zu SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ liegt bei 45,8 Punkten. Nur 28,1 % der beteiligten Unternehmen haben einen Klimaadaptionsplan aufgestellt. Industrieunternehmen weisen dabei tendenziell höhere Beitragswerte für SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ und SDG 12 „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ auf als Dienstleistungsunternehmen. Dies kann darauf hindeuten, dass eine unmittelbarere Betroffenheit Unternehmen eher zum Handeln motiviert.  

■ Deutsche Unternehmen sind stark bei Bildung sowie Industrie, Innovation & Infrastruktur: Die 715 teilnehmenden Unternehmen des UN Global Compact aus Deutschland schneiden besonders stark bei der Kompetenzentwicklung sowie der industriellen Innovation ab. SDG 4 „Hochwertige Bildung“ liegt mit 60,6 Punkten über dem europäischen Durchschnitt (+2,7 Punkte); auch SDG 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ sowie SDG 15 „Leben an Land“ schneiden besser ab als im europäischen Durchschnitt. 

■ Nachholbedarf haben deutsche Unternehmen bei Geschlechtergerechtigkeit und dem Abbau von Ungleichheiten. Die Werte für SDG 5 „Geschlechtergleichheit“ (54,6 vs. 61,2 Punkte) und SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“ (67,9 vs. 73,1 Punkte) liegen deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Dabei besteht insbesondere bei der Gleichberechtigung von Frauen in Führungspositionen (SDG 5.5) mit 41,4 Punkten noch Luft nach oben.  

■ Für europäische Unternehmen bleibt es schwierig, politische Selbstverpflichtungen in operative Maßnahmen zu überführen. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die 56 Prozent der untersuchten Unternehmen ausmachen. Nachhaltigkeitsschulungen (SDG 4.7) könnten hier helfen, um Nachhaltigkeit abteilungsübergreifend zu implementieren. Doch weniger als 40 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden Schulungen zu sozialen und umweltbezogenen Themen an. In Deutschland liegt der Wert leicht darüber (43,4 Punkte).  

■ Die Wirksamkeit von Nachhaltigkeitsmaßnahmen wird nicht in allen Bereichen systematisch gemessen. Von den Unternehmen, die Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu sozialen Aspekten umgesetzt haben, misst nur die Hälfte ihre Fortschritte. Bei umweltbezogenen Maßnahmen ist dies deutlich häufiger der Fall. Hier erfassen nur 20 % der Unternehmen die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen nicht.  

■ SDG 17 „Partnerschaften“ weist mit 22,1 von 100 Punkten europaweit den niedrigsten Wert auf.  Öffentlich-private Partnerschaften sind entscheidend, um die SDGs zu erreichen. Sie helfen insbesondere dabei, die nötigen finanziellen Mittel für tragfähige und nachhaltige Projekte zu mobilisieren. Dass europaweit die Unternehmen in diesem Punkt so schwach abschneiden, kann mit dem freiwilligen Charakter solcher Partnerschaften zusammenhängen. Zudem haben insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen nur bedingt die Kapazitäten, diese Form der strukturierten Zusammenarbeit zu verwirklichen.  

Methodik

Die Studie basiert auf den Daten des Communication on Progress (CoP) 2025 von 5.793 teilnehmenden Unternehmen des UN Global Compact in Europa und umfasst 136 Datenpunkte. 

Die Studie umfasst 21 europäische Länder, in denen der UN Global Compact über ein Ländernetzwerk verfügt: Österreich, Bulgarien, Kroatien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Serbien, Spanien, Schweden, die Schweiz und Liechtenstein*, die Türkei und das Vereinigte Königreich. Da die Stichprobengrößen zwischen den Ländern variieren, sind in der Publikation Fehlerspannen ausgewiesen. 

*Beide Länder gehören demselben Ländernetzwerk des UN Global Compact an. 

Die CoP-Indikatoren wurden den SDG-Unterzielen zugeordnet. Als Ausgangspunkt diente die Arbeit der Global Reporting Initiative. Der CoP-Fragebogen enthält keine Indikatoren, mit denen der Beitrag der Unternehmen zu SDG 1 „Keine Armut“, SDG 2 „Kein Hunger“ und SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ gemessen werden kann. Diese drei Ziele wurden daher aus dem Untersuchungsumfang ausgenommen. Für die verbleibenden 14 Ziele ermöglichen die CoP-Daten eine Messung des Beitrags zu mindestens einem Unterziel. 

Für die Berechnung des Beitragswerts für jedes Unterziel und jedes Ziel wurden die CoP-Indikatoren gewichtet und zusammengeführt. Der Beitragswert reicht von 0 bis 100, wobei 0 den niedrigsten und 100 den höchsten Wert darstellt. Der berechnete Wert spiegelt den Beitrag der teilnehmenden Unternehmen des UN Global Compact in Europa zu den SDGs wider – nicht den Grad, in dem diese Unternehmen die Ziele bereits erreicht haben. 

Weitere Informationen

Weitere Informationen:  UN Global Compact Netzwerk Deutschland: European Private Sector SDG Stocktake 2026 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Karen Berger (Senior Managerin Public Relations).

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