Von Wandel durch Handel zu Handel(n) im Wandel? Nachbericht zur UN GCD Jahreskonferenz am 26. Oktober 2022

Was bedeutet verantwortliches Wirtschaften in einer von wachsendem Autoritarismus und geopolitischen Spannungen geprägten Welt? Dieser Frage widmete sich unsere Jahreskonferenz am 26. Oktober, an der mehr als 100 Personen vor Ort im Allianz Forum Berlin und über 200 Personen virtuell teilnahmen.

„Wenn die deutsche Wirtschaft es schafft, sich sowohl auf Nachhaltigkeit als auch auf den technologischen Wandeln voll einzulassen, dann wird sie aus der aktuellen Krise stark hervorgehen!“ 

Diese Hoffnung äußerte der Gründungsdirektor des UN Global Compact, Georg Kell, in seiner Key-Note zur Eröffnung der Diskussion um Wandel durch Handel. So werde die Natur ein Umdenken erzwingen und auf die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft entsprechend einwirken, genauso, wie sich die Digitalisierung nicht aufhalten lasse. Die deutsche Wirtschaft sei in einer guten Position, diesen Wandel mitzugestalten – wenn sie ihm offen gegenüberstehe!

Gleichzeitig zeichnete er ein realistisches Bild der aktuellen Krisensituation und betonte den Verfall der liberalen Wirtschaftsordnung in Kombination mit neu aufkeimendem Protektionismus und Inflation. Vor diesem Hintergrund sah Kell in globalem Handel aber weiterhin einen wichtigen Baustein für die Wahrung des Friedens: Insbesondere mit Bezug zum Thema Menschenrechte sei es sei wichtig, dass deutsche Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Werte global weitertragen, ohne jedoch überheblich zu werden und die eigenen Perspektiven bei anderen vorauszusetzen.

Was genau es für Unternehmen heißt, mit gutem Beispiel voranzugehen und ob das bei so einem elementaren Thema wie Menschenrechten ausreicht, das wurde in der anschließenden Paneldiskussion viel diskutiert. So betonte Prof. Dr. Stefanie Lorenzen (Vorstandsmitglied, Germanwatch), dass wir uns in der Zusammenarbeit mit autoritären Staaten noch stärker auf unsere Werte berufen sollten als bisher geschehen, denn auf die Einhaltung der Menschenrechte zu pochen sei kein Neokolonialismus. Dr. Annette Niederfranke (Direktorin, ILO Vertretung in Deutschland) unterstrich in diesem Zuge die Rolle von Institutionen wie den Vereinten Nationen oder der Weltbank: Diese seien insbesondere in der Verantwortung, auf Reformen sowie die Einhaltung von Menschenrechten und Arbeitsnormen auf lokaler Ebene hinzuwirken. Nur durch Kooperation verschiedener Akteure könne Transformation angestoßen werden. Dabei stehe insbesondere auch die Politik in der Pflicht, Verantwortung nicht einfach auf Unternehmen abzuwälzen, sondern die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass verantwortungsvolle wirtschaftliche Kooperation unterstützt werde, so Georg Kell. Wolfgang Niedermark (Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie) plädierte für ein starkes Europa im Kontext des globalen Handels. Investitionen in Bereichen wie Bildung und Digitalisierung seien notwendig, um Innovation zu fördern und Europa damit wettbewerbsfähiger zu machen.

Sie möchten mehr über die Standpunkte unserer Panelist*innen zum Thema „Handel durch Wandel?“ erfahren? Die gesamte Paneldiskussion wurde aufgezeichnet und steht Ihnen hier zur Verfügung:

Zur Aufzeichnung der Paneldiskussion

Die am Konferenznachmittag stattfindenden Workshops (zwei davon vor Ort und zwei virtuell) gingen näher auf konkrete Nachhaltigkeitsherausforderungen in der Unternehmenspraxis ein. So behandelte der erste der beiden vor Ort stattfindenden Workshops das Thema Just Transition und die Frage, wie bei der Umstellung auf klimaschonende Technologien auch soziale und menschenrechtliche Auswirkungen berücksichtigt werden können. Anschließend ging es im Workshop zur UN Ozeandekade um die Rolle der Ozeane in der globalen Klimakrise und ihre strategische Bedeutung für die (deutsche) Industrie. Im ersten der beiden virtuellen Workshops wurde die potentielle Rolle von grünem und blauen Wasserstoff bei der Bekämpfung des Klimawandels sowie für Energiesicherheit beleuchtet. Die Förderung einer Integritätskultur in Unternehmen war das Thema des zweiten virtuellen Workshops, in dessen Rahmen zudem der offizielle Launch des neuen Praxiskatalogs „Integrität in Unternehmen“ mit Handlungsanleitungen, Fallbeispielen und Empfehlungen für erprobte Tools stattfand.

Wir bedanken uns herzlich für die rege Teilnahme an unserer Jahreskonferenz – sowohl virtuell als auch vor Ort in Berlin – und natürlich insbesondere bei allen Speaker*innen sowie der Moderatorin der Paneldiskussion Sabine Donner! Insbesondere der durch die Konferenz geförderte Austausch von und mit unseren Teilnehmenden liegt uns sehr am Herzen und wir freuen uns, diesen im Rahmen unserer Lern- und Dialogformate zu vertiefen. Unser Newsletter hält Sie dazu auf dem Laufenden:

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