Nachhaltigkeit in der Lieferkette bei Bosch

„Wir sollten das nachhaltige Wirtschaften nicht als schon perfekt praktizierte Realität hinstellen, vielmehr als kritischen Anspruch.“

Franz Fehrenbach mahnt vor allzu schneller Selbstzufriedenheit. Ein hoher CSR-Reifegrad der Zulieferer gilt hier als Anspruch. Darum werden zusätzliche Audits und Verträge abgeschlossen.

Themenschwerpunkte: Lieferkette, Logistik, Einkauf, Added Value

 

Nachhaltigkeit in der Lieferkette bei Bosch

Um Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu fördern, hat Bosch 2012 gemeinsam mit vier Unternehmen ein Lieferantenprogramm in China gestartet: ResQ. Um Transparenz und Nachhaltigkeit in die Lieferkette zu bringen, wurden zunächst Verträge zwischen Lieferanten und Bosch geschlossen, die die Beschaffungsmaßnahmen regulieren sollten. Die International Labor Organisation (ILO)-Verordnung und bestimmte Umweltstandards galten als Mindestanforderung. Überprüft wurde dies durch Audits. Inzwischen ist dieser Prozess für alle Zulieferer bindend.

Auf Basis der Ergebnisse folgen unterschiedliche Maßnahmen, die von Fortbildungen für die Mitarbeiter der Zulieferer bis hin zum Ausschluss aus dem Lieferantenstamm reichen können. Fortbildungen und Schulungen bilden ein besonders wichtiges Instrument, um eine nachhaltige Verbesserung der Lieferkette zu erreichen. Die alleinige Überprüfung durch Audits und ein Ausschluss von Zulieferern führt meist nicht zu der gewünschten langfristigen positiven Wirkung auf die Lieferkette. Vielmehr gilt es, auch außerhalb der Unternehmensgrenze die Zulieferer selbst durch Dialogformate und Fortbildungen zu einem Umdenken und Handeln zu bewegen und für Probleme zu sensibilisieren.

Bosch ist auf eine verlässliche Lieferkette angewiesen. Das Unternehmen weist ein Einkaufsvolumen von 25 Milliarden Euro auf und umfasst 290 Fertigungsstandorte. Zur Fertigung der Produkte werden täglich 300 Milliarden Teile angeliefert.

Im Rahmen des Lieferantenmanagements werden Standards für Ressourceneffizienz und Arbeitssicherheit zwischen Zulieferern und Bosch vertraglich festgehalten. Diese regulative Ebene wird operativ ergänzt durch anschließende Auditierungen. So können die Einhaltung und der Fortschritt bei den einzelnen Zulieferern überprüft werden.

Grundlage für die Anforderungen an Lieferanten liefern die zehn Prinzipien des Global Compact, die ILO und weitere Sozial- und Umweltstandards. Von 500 Vorzugslieferanten wird ein Zertifikat nach ISO 14001 gefordert. Die Überprüfung der ersten Ebene der Lieferkette (TIER 1) wird direkt vertraglich geregelt, darüber hinaus indirekt mittels der Anweisung an Lieferanten, deren Lieferanten ihrerseits zu überprüfen (TIER 2).

Das Lieferantenmanagement läuft über die Online-Plattform SupplyOn. Die registrierten Zulieferer erhalten besondere Fortbildungsangebote von Bosch. Die Inhalte sind die gleichen, die auch für ihre eigenen Mitarbeiter genutzt werden. So können Zulieferer leichter in Managementprozesse und neue Entwicklungen oder Anforderungsänderungen eingebunden werden.

Vorteile

Die Herkunft der Teile ist gesichert. Über Dialogplattformen und Austausch findet zudem eine strategische Weiterentwicklung statt, die den Beschaffungsprozess optimiert: Qualität der Teile, Verlässlichkeit und Effizienz der Lieferkette.

Durch die Maßnahmen werden Transparenz und Know-How in das Unternehmen gebracht. Die Mitarbeiter können Kompetenzen aufbauen und werden für Herausforderungen hinsichtlich der Lieferkette sensibilisiert.

Ergebnisse

Eine wichtige Erkenntnis aus den Audits ist, dass ein aktives Vorgehen von Lieferanten bei den angesprochenen Themen mit einer hohen Qualität ihrer Produkte korreliert. Auch deswegen ist das Nachhaltigkeitsthema ein integraler Bestandteil im Beschaffungsprozess von Bosch. Einen zuverlässigen Lieferantenstamm basierend auf gegenseitigem Vertrauen und langfristiger Kooperation sieht das Unternehmen als Wettbewerbsvorteil. Auf diese Weise leistet Bosch einen weiteren Beitrag für die nachhaltige Entwicklung in den Ländern seiner Zulieferer.

Maßnahmen

Die Mitarbeiter der Lieferanten werden in Nachhaltigkeitsthemen geschult, damit sie die Anforderungen an eine nachhaltige und verantwortungsvolle Beschaffung umsetzen können.

Innerhalb des Lieferantenstamms werden einige zu Vorzugslieferanten priorisiert. Die Bewertungskriterien richten sich nach den vier Kriterien Technikkompetenz, Produkt- und Logistikkompetenz sowie dem Verhältnis von Preis-Leistung.

Bis 2020 sollen insgesamt 1.000 Audits durchgeführt werden. Davon wurde bereits ein Drittel erreicht. Im Fall eines negativen Audit-Ergebnisses werden entsprechende Hilfestellungen angeboten, etwa Schulungen. Doch auch der Ausschluss aus dem Lieferantenstamm kann eine Konsequenz sein.

So gelingt Ihnen die Umsetzung

Wenn Sie Verbesserungen zum Thema Nachhaltigkeit in Ihrer Lieferkette umsetzen wollen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  1. Schließen Sie mit Ihren Zulieferern Verträge ab, die Ihre relevanten Nachhaltig-keitsaspekte beinhalten.
  2. Priorisieren Sie Zulieferer zu Vorzugslieferanten, beispielsweise durch ein Pyramidenmodell nach den für Ihr Unternehmen wichtigsten Kriterien.
  3. Führen Sie Auditierungen Ihrer Lieferanten durch.
  4. Legen Sie intern und mit den Lieferanten kommunizierte Maßnahmen infolge schlechter Audits fest: etwa Schulungen der Mitarbeiter von Zulieferern oder Aus-schluss des jeweiligen Lieferanten.
  5. Schließen Sie an alle Audits Fortbildungsmaßnahmen und Dialogformate an, damit die Auditergebnisse genutzt werden können und eine Verbesserung stattfinden kann.
  6. Binden Sie insbesondere Ihre Vorzugslieferanten frühzeitig in Entwicklungen und strukturelle Veränderungen ein, beispielsweise zu neuen Umweltstandards oder zur Nutzung neuer Technologien.
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