Nachhaltigkeit als Business Case: memo und TÜV Rheinland

Nachhaltigkeit als Business Case: memo und TÜV Rheinland

„Von Beginn an war es unsere Vision, mit einer langfristig angelegten, gleichermaßen ökonomisch, ökologisch und sozial ausgerichteten Strategie wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gesellschaftliche Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt wahrzunehmen.“ (Nachhaltigkeitsbericht memo AG)

Themenschwerpunkte: CSR, Nachhaltigkeitsmanagement

Überblick

Die Umsetzung unternehmerischer Verantwortung ist eine Querschnittsaufgabe, da in allen Geschäftsaktivitäten die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte berücksichtigt und in die bestehenden Prozesse integriert werden müssen, um ihre negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu reduzieren.

Das benötigt klar definierte Zuständigkeiten und Abläufe, die das CSR-Management eines Unternehmens vorgibt. An den bereits bestehenden Leitbildern und Unternehmenswerten orientiert, entwirft es eine Nachhaltigkeitsstrategie mit wesentlichen Handlungsfeldern. Daran kann man Nachhaltigkeitsziele formulieren, Maßnahmen ausrichten und letztendlich Ergebnisse messen.

 

Nachhaltigkeitsmanagement der memo AG

Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel der memo AG aus Greußenheim. Der Online-Versandhändler für Büro- und Schulbedarf gehört zu jenen Betrieben, die in ihrem Tätigkeitsbereich genuin verantwortlich gegenüber der Gesellschaft agieren und Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft des Unternehmens gemacht haben. Das fränkische Unternehmen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit nicht nur als Wertekanon, sondern auch als Geschäftsmodell funktioniert (Business Case statt nur Business Attitude).

Als mittelständisches Unternehmen kann memo hierin vielen anderen als Orientierung und Vorbild dienen. Das Unternehmen wurde deshalb vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und als nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen durch die Verbraucher-Initiative.

Wesentliche Handlungsfelder zur ganzheitlichen Umsetzung von Nachhaltigkeit:

  • Sortimentsgestaltung und Beschaffung: Im Sortiment finden Kunden ausschließlich geprüfte, umwelt- und sozialverträgliche sowie qualitativ hochwertige Produkte, die durch verschiedene Umweltzeichen und Labels gekennzeichnet sind. Auf diese Weise will das Unternehmen einen Beitrag zur Durchdringung des Marktes mit nachhaltigen Produkten leisten. Das Augenmerk bei der Sortimentsgestaltung liegt auf memo-Markenartikeln, die besonders hohe ökologische Standards haben, um auf Mensch, Umwelt und Klima bei Herstellung, Gebrauch und Verwertung geringstmögliche negative Auswirkungen zu haben.
  • Warenversand: Neben herkömmlichem Versandkarton bietet memo die Zustellung ihrer Ware im ökologischen Mehrweg-Versandsystem – der „memo Box“ – an. Das Warenwirtschaftssystem errechnet außerdem automatisch die für den jeweiligen Auftrag optimale Größe eines Versandpakets, wodurch sich der Verpackungsabfall reduziert.
  • Herstellung und Versand der Produktkataloge: Trotz Internet ist memo auf die Kataloge als Vertriebsinstrument angewiesen. Durch Materialauswahl, Auflagenkontrolle und Auswahl der Dienstleister kann das Unternehmen negative Umweltauswirkungen minimieren.
  • Personalmanagement: memo pflegt eine transparente Informationspolitik und ermittelt regelmäßig über anonyme Befragungen die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Darüber hinaus bietet memo umfassende, freiwillige betriebliche Sozialleistungen.
  • Ressourcenmanagement: Umwelt- und Klimaschutz und Ressourcenschonung spielen eine zentrale Rolle bei der Geschäftstätigkeit von memo. Dabei verfolgt das Unternehmen folgendes Prinzip: Umweltauswirkungen vermeiden vor reduzieren vor kompensieren. memo wird diesem Anspruch durch einen sparsamen Energieverbrauch, die Nutzung regenerativer Energieträger und den Einsatz moderner Technik gerecht.
  • Ökonomie: memo setzt auf langfristigen Erfolg statt auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Ziel ist es, nachhaltigen Produkten den Weg in den Massenmarkt zu ebnen und diese zu erschwinglichen Preisen allen Verbrauchern zugänglich werden zu lassen.

Nachhaltigkeitsmanagement

Zur Umsetzung der Unternehmensphilosophie hat der Vorstand die Abteilung Nachhaltigkeitsmanagement eingerichtet, die das integrierte Managementsystem überwacht sowie Beratung, Koordination und Unterstützung der Funktionsbereiche zu allen nachhaltigkeitsrelevanten Themen übernimmt. Als Stabstelle ist sie direkt dem Vorstand unterstellt und gegenüber anderen Funktionsbereichen organisatorisch unabhängig.

Sie basiert auf dem Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung aller Prozesse und Tätigkeiten. Durch aktive Teilnahme aller Mitarbeiter, die selbst verantwortlich für Qualitätssicherung und Umweltschutz in den Aufgabenfeldern sind, kann das Managementsystem in alle Unternehmensbereiche verankert werden.

Wesentliche Aufgaben:

  • Im Rahmen von halbjährlich stattfindenden Audits mit den einzelnen Funktionsbereichen werden die Wirksamkeit und der Erfolg des Managementssystems geprüft. Bei Abweichungen zu den festgelegten Forderungen leitet memo geeignete Verbesserungsmaßnahmen ein.
  • Jährlich erstellt das Unternehmen eine Umweltbilanz, in der alle relevanten eingehenden Energie- und Stoffströme (Input) den ausgehenden (Output) gegenübergestellt und über KPIs bewertet werden.
  • Das Nachhaltigkeitsmanagement führt zum Jahresbeginn eine Bewertung durch und erstellt einen Systembewertungsbericht, der zusammen mit der Umweltbilanz und den wesentlichen Ergebnissen der Audits dem Vorstand vorgelegt wird. Dieser beurteilt dann auf Grundlage der Kennzahlen und Ergebnisse die Zielerreichung und Funktionsfähigkeit des Systems, identifiziert Nachhaltigkeitsaspekte und entwirft das Managementprogramm mit neuen Zielen und Maßnahmen.

Nachhaltigkeitsstrategie TÜV Rheinland

Ein weiteres Beispiel für eine nachhaltige Unternehmensführung ist etwa der TÜV Rheinland. Als weltweit aktiver Prüfdienstleister begleitet das Unternehmen globale Wertschöpfungsprozesse. Diese Rolle gibt dem TÜV Rheinland die Gelegenheit, eine nachhaltige Entwicklung etwa bei der Umsetzung der globalen Energiewende, dem Schutz von Verbraucherinteressen oder der Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte mitzugestalten. Um seiner Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt nachzukommen, hat der TÜV Rheinland seine Nachhaltigkeitsstrategie 2020 entwickelt, die in die fünf Handlungsfelder Governance, Mitarbeiter, Umwelt, Dienstleistungsverantwortung und Gesellschaft unterteilt ist.

Die jeweiligen Felder wurden mit Nachhaltigkeitsmaßnahmen hinterlegt, aus denen relevante Ziele abgeleitet wurden. Dabei hat der TÜV sich an aktuellen Themen und Herausforderungen orientiert, denen interne und externe Stakeholder große Bedeutung beimessen. Die Steuerung des Nachhaltigkeitsengagements übernimmt beim TÜV Rheinland der Unternehmensbereich CSR und Compliance. Sein Bevollmächtigter berichtet
direkt an den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens. Als zentrale Schaltstelle formuliert, kommuniziert und überwacht der Bereich CSR und Compliance wiederum die Umsetzung Nachhaltigkeitsstrategie.

So gelingt Ihnen die Umsetzung

Auch wenn Ihr Geschäftsmodell nicht genuin in den Nachhaltigkeitsdiskurs eingebunden ist, können Sie Ihre Geschäftsprozesse dennoch dahingehend transformieren und gesellschaftliche Verantwortung in Ihrem Unternehmen bereichsübergreifend implementieren:

  1. Überarbeiten Sie Ihr Leitbild und greifen Sie dort Ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gesellschaft und Umwelt auf.
  2. Leiten Sie daraus eine Nachhaltigkeitsstrategie mit relevanten Handlungsfeldern und Themen ab, die sie gemeinsam mit Ihren internen und externen Stakeholdern erarbeitet haben. Dabei sollten Sie die zehn Prinzipien des Global Compact integrieren, die Ihnen eine thematische Richtung zeigen.
  3. Definieren Sie für jedes Handlungsfeld kurz-, mittel- und langfristige Nachhaltigkeitsziele.
  4. Entwickeln Sie dementsprechend Maßnahmen, mit denen Sie die Ziele erreichen können und entscheiden Sie sich für Werkzeuge/Systeme, die Ihnen bei der Umsetzung helfen.
  5. Evaluieren Sie Ihre Vorgaben: So können Sie für eine Bestandsaufnahme die jährliche COP-Berichtspflicht nutzen und Ihren Status überprüfen.
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