Nachlese: Fachgespräch CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz

13.12.2017

Das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) richtete am 14. November 2017 das zweite Fachgespräch zum CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) in Berlin aus. Das Fachgespräch, welches bereits im März gelauncht wurde, fand auch dieses Mal mit über 60 VertreterInnen aus Unternehmen und der Wirtschaftsprüfung einen regen Zuspruch.

Gesprächsbasis war die Auswirkung des CSR-RUG auf Unternehmen. Von dem Gesetz betroffene Unternehmen und deren Aufsichtsräte müssen sich seit der Gesetzesverabschiedung im April 2017 intensiv mit der Berichterstattungs- und Prüfpflicht zu wesentlichen nicht-finanziellen Aspekten auseinandersetzen. Im Fokus des Fachgesprächs stand vor allem die Prüfpflicht der Aufsichtsräte, die Interpretation des Risiko- und Wesentlichkeitsbegriffs des Gesetzes durch Wirtschaftsprüfer sowie die Möglichkeiten der Integration von nichtfinanziellen Aspekten in vorhandene Governance Strukturen und das Risikomanagement:


Prüfpflicht des Aufsichtsrats

Ein wesentlicher Aspekt der Corporate Governance der betroffenen ca. 550 Unternehmen liegt in der Verantwortung der Aufsichtsräte, die Ordnungsmäßigkeit und Zweckmäßigkeit der Erklärung zu nichtfinanziellen Aspekten zu überprüfen.

Prof. Dr. Stefan Siepelt (Vorstand, Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat e.V.) beschrieb in seinem einführenden Vortrag die sich verändernde Rolle des Aufsichtsrats und verdeutlichte, dass dessen Aufgabenbereich nun durch aktive Tätigkeiten erweitert wurde. Dies hat auch zur Folge, dass der Aufsichtsrat stärker in den Prozess der Prüfung eingebunden werden muss und ein Ermessen darin haben sollte, was und wie er prüft. Positiv daran ist, dass ein Aufsichtsrat für sechs Jahre besteht und damit eine langfristigere Wirkungsmöglichkeit hat als der Vorstand. Er betonte, dass es nicht ausschließlich darum gehe, die Mindeststandards des CSR-RUG umzusetzen, sondern dass ein reflektiertes und bedachtes Handeln des Aufsichtsrats wichtig sei, um langfristig nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Sophie von Gagern (Manager, DGCN) und Kai Michael Beckmann (Director, Mazars GmbH & Co.KG) präsentierten anschließend die Ergebnisse des Status-Reports zur Prüfpflicht des Aufsichtsrats. Dieser wurde vom DGCN in Kooperation mit AdAR und Mazars erstellt und beruht auf qualitativen strukturierten Interviews mit Aufsichtsräten. Der Status-Report verdeutlicht, dass die Relevanz von CSR in Unternehmen durch die Gesetzesneuerung deutlich angestiegen ist. Die Ausgestaltung der im CSR-RUG definierten Prüfplicht variiert allerdings noch stark. Die im Status-Report Befragten sind sich einig, dass das Kontrollsystem verändert werden müsse und die externe Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung hilfreich sei, um der Überwachungspflicht besser nachzukommen. Die interne Revision biete außerdem die Möglichkeit, auch im Hinblick auf die nichtfinanziellen Aspekte wirksam zu werden. Die Interviews verdeutlichen auch, dass es in vielen Aufsichtsräten noch an erforderlichem Wissen und Sachverstand beim Thema CSR fehlt, sodass die Umsetzung des CSR-RUG für das laufende Geschäftsjahr schwierig werden könne.

Auch das Publikum bestätigte Unsicherheiten auf Seiten des Aufsichtsrats. Sie beschrieben, dass sich die meisten Unternehmen derzeit noch im Entscheidungsprozess befinden und dass selbst beim Vorstand noch große Unsicherheiten bestehen. Genauso wie der Unternehmensvorstand müsse der Aufsichtsrat informiert werden, sodass dieser zu einem Kenntnisstand komme, der ihm eine Prüfung ermögliche.


Wesentlichkeits- und Risikodefinition des CSR-RUG

Frau Simon-Heckroth (Partnerin, BDO und Vorsitzende des Arbeitskreis Nachhaltigkeitsberichterstattung des IDW) ging in ihrem Vortrag sowohl auf die definitorischen Veränderungen hinsichtlich des Wesentlichkeits- und Risikobegriffes als auch auf die Verpflichtungen des Abschlussprüfers im Rahmen der Abschlussprüfung ein.

Der Risikobegriff des CSR-RUG hat im Vergleich zum im § 289 HGB beschriebenen Risikobegriff zwar eine Einengung durch die Wahrscheinlichkeit („sehr wahrscheinlich“) und durch das Ausmaß („schwerwiegend“) aber gleichzeitig eine Erweiterung dahingehend erfahren, als dass nicht mehr nur über derartige Risiken für das Unternehmen sondern auch - zur Berücksichtigung der Erwartungen anderer Stakeholder – mindestens über Risiken für die Aspekte (Umwelt-, Sozial-, Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte und Korruption und Bestechung) zu berichten ist. Mit Bezug auf den Wesentlichkeitsbegriff ergibt sich die Berichtspflicht nach dem derzeitigen CSR-RUG aus der Schnittmenge des Verständnisses für Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage sowie für die Auswirkungen auf nichtfinanzielle Aspekte.

Wirtschaftsprüfer haben lediglich die Pflicht zu prüfen, ob die nichtfinanzielle Erklärung fristgerecht vorgelegt wurde. Die inhaltliche Prüfungspflicht obliegt alleine dem Aufsichtsrat. Jedoch kann dieser in Erweiterung der gesetzlichen Abschlussprüfung den Wirtschaftsprüfer beauftragen die nichtfinanzielle Erklärung zu prüfen. Diese Prüfung muss dann zwingend zur Erlangung einer hinreichenden Sicherheit erfolgen. Ungeachtet dessen können sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat eine freiwillige Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung durchführen lassen. Im Bereich der Prüfung von Nachhaltigkeitsberichterstattungen ist der internationale Prüfungsstandard ISAE 3000 (Revised) der am häufigsten verwendete Standard und kann auch für die freiwillige Prüfung Anwendung finden, wobei danach eine Prüfung zur Erlangung einer hinreichenden als auch einer begrenzten Sicherheit beauftragt und durchgeführt werden kann. Darüber hinaus findet auch der Prüfungsstandard ISA 720 (Revised) (Entwurf-DE) Berücksichtigung, welcher die Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers im Zusammenhang mit sonstigen Informationen, zu denen auch die nichtfinanzielle Erklärung gehört, beinhaltet.


Integration nichtfinanzieller Aspekte in Governance und Risikomanagement

Herr Prof. Dr. Hans-Jürgen Wieben (Professor, Fachhochschule für die Wirtschaft Hannover) erläuterte in seinem Vortrag, inwiefern sich nichtfinanzielle Aspekte in Governance und Risikomanagement integrieren lassen.

Da die Mehrheit der vom CSR-RUG betroffenen Unternehmen sowohl groß und kapitalmarktorientiert ist und demnach auch im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter aufweist, war sie bereits in der Vergangenheit verpflichtet, ein funktionierendes Risikomanagementsystem einzurichten. Die vorhandene Governance bedarf daher in der Regel nur eine CSR-spezifische Anpassung. Gleiches gilt für die Zielsetzungen im Unternehmen, die um Nachhaltigkeitsziele erweitert werden müssen. Relevante Bewertungskategorien, wie Reputation oder regulatorische Standards, finden sich bereits heute im Risikomanagementsystem wieder. Unternehmen, die CSR Themen bisher weniger in ihrem Kerngeschäft integriert haben, stehen allerdings bei der nichtfinanziellen Berichterstattung vor größeren Herausforderungen.

Nach DRS 20 lässt sich ein wesentliches Risiko sowohl in Form einer Brutto- aber auch Nettobetrachtung darstellen. Unternehmen, die netto zu keinem wesentlichen Risiko kommen, können durchaus zu dem Schluss gelangen, dass sie nichts zu berichten haben, wobei aus Gründen der Transparenz eine Bruttodarstellung zu empfehlen ist.

Die anschließende Diskussion verdeutlichte, dass das CSR-RUG zu starken Veränderungen in Hinblick auf Governance und Strategie der Unternehmen beiträgt. Inwiefern sich dies allerdings auch auf die Berichterstattung niederschlagen wird, ist abzuwarten.

Das Fachgespräch wurde in enger Zusammenarbeit mit den im DGCN teilnehmenden Unternehmen der Wirtschaftsprüfung Deloitte, E&Y, KPMG, Mazars und PwC sowie UnternehmensvertreterInnen von BASF und RWE vorbereitet und durchgeführt. Eine Fortführung des Formats wurde von den TeilnehmerInnen sehr begrüßt.

Falls Sie über Folgeveranstaltungen informiert werden möchten oder Fragen haben, würden wir uns freuen, wenn Sie uns über globalcompact@giz.de kontaktieren.


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