Wie weit sind wir von einer nachhaltigen Finanzwelt entfernt?

11.09.2018

Wie weit sind wir von einer nachhaltigen Finanzwelt entfernt?

Ein Resümee der 3rd Global Debate zum Thema Sustainability in Financial Markets (ICC Germany & DZ BANK AG)


Bei der dritten Globalen Debatte zum Thema „Sustainability in Financial Markets“ vermittelte die große Mehrheit der Sprecher den Eindruck, dass noch ein Stück Arbeit bis zur Realisierung einer nachhaltigen Finanzwelt vor uns liegt.
Dennoch wurde auch der Fortschritt bestätigt, dass sowohl im Allgemeinen, als auch spezifisch durch den „EU Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ die Finanzbranche in Bewegung ist. Der im März 2018, von der High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG), veröffentlichte Aktionsplan kann als richtungsweisend für eine nachhaltige Finanzstrategie der EU angesehen werden.

Bei der Eröffnungsrede in der DZ BANK AG in Berlin wurde von der dringend notwendigen Umgestaltung des Finanzsektors gesprochen. Die Finanzbranche ist eines der vielversprechendsten Instrumente, „um den Ambitionen der SDGs und des Pariser Klima Abkommens gerecht werden zu können".
Es wurde weiterhin über die notwendige, Sektor übergreifende, Zusammenarbeit von Finanzsektor, Privatwirtschaft und Politik diskutiert, um Frieden und Wohlstand auch durch ökonomisches Wachstum zu garantieren. Ein Appell ging an alle Beteiligten, sich nicht nur auf die Probleme der Vergangenheit zu fokussieren, sondern lösungsorientiert in die Zukunft zu schauen. Dafür bräuchte es verbindliche und langfristige Rahmenbedingungen; hier wurde auf das Framework der „Addis Ababa Action Agenda “(2015) verwiesen. Diese Agenda soll eine Grundlage schaffen, um die Umsetzung der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung zu unterstützen und ein neues globales Rahmenwerk für die Finanzierung einer nachhaltigen Entwicklung zu bieten.

Verstärkt wurde von den Rednern zum Dialog aufgefordert, um für die Zukunft eine deutlich höhere Transparenz zwischen den Akteuren zu schaffen. Mit dem Hub for Sustainable Finance (H4SF) wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung und der Deutschen Börse AG ein offenes Netzwerk von Finanzmarktakteuren und weiteren Stakeholdern initiiert, die zu einem nachhaltigen Finanzsystem beitragen wollen.

In der darauffolgenden Multi-Stakeholder Paneldiskussion wurde eine Vielzahl an wichtigen Punkten des EU Aktionsplans diskutiert: die Neuausrichtung der Kapitalströme hin zu nachhaltigen Investitionen, die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in finanziellen und wirtschaftlichen Aktivitäten; der Bedarf von Regulierungen und länderübergreifenden Standards sowie die Skalierbarkeit von nachhaltigen Finanzprodukten. Die Möglichkeit eines einheitlichen EU-Klassifizierungssystem („Taxonomie“), das harmonisierte Kriterien festlegt und als Hilfestellung dient um festzustellen, ob ein Investment nachhaltig ist, wurde von vielen begrüßt.
Zu der Thematik der Skalierung wurde in Bezug auf den momentanen Status quo, ein eher verhalten optimistisches Bild gezeichnet, da der Marktanteil von so genannten „Nachhaltigen Geldanlagen“ aktuell noch relativ gering ist. (Je nach Quelle 1%-3% ).

Zusammenfassend wurde bekräftigt, dass einzelne „grüne“ Finanzprodukte unsere Probleme nicht lösen werden und es wichtig ist, dass jeder einzelne Akteur sich seiner Verantwortung bewusst wird und erkennt, welche Rolle er im größeren System spielt - nur dann könne es gelingen grundlegend etwas zu verändern. Große Hoffnung liegen vorerst insbesondere auf Sustainable Development Goal 17 der „Partnerschaften“ und den neuen Möglichkeiten im Zuge der Digitalisierung.

Die sechs Leitprinzipien der„UN Principles for Responsible Investement (PRI) “ bieten eine Möglichkeit die 10 Prinzipien des Global Compacts in Fragen zu nachhaltigen Investitionen zu ergänzen:
1. Die Integration von ESG-Themen in Analyse- und Entscheidungskriterien;
2. Die ESG-Themen aktiv in die eigene Aktionärspolitik u.-praxis zu integrieren;
3. Eine angemessene Offenlegung über ESG-Fragen der investierten Unternehmen;
4. Akzeptanz und Umsetzung der Prinzipien in der Investmentbranche fördern;
5. Kooperation um effizientere Umsetzung der Prinzipien zu garantieren;
6. Berichterstattung über Aktivitäten und Fortschritte zur Umsetzung der Prinzipien


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Bei weitere Fragen wenden Sie sich gerne an Sophie von Gagern.

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