Nachbericht der Teilnehmerkonferenz des Deutschen Global Compact Netzwerk am 11. Oktober 2018 in Berlin.

18.10.2018

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Die Teilnehmerkonferenz des Deutschen Global Compact Netzwerk beleuchtete den Beitrag der Wirtschaft zu einer gerechten und nachhaltigen Zukunft unter dem Motto „Unternehmen 2030: Zielkonflikte lösen – Leitbilder schaffen“.

Am 11. Oktober 2018 fand in Berlin die Teilnehmerkonferenz des DGCN mit mehr als 150 Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft statt. Im Bestreben, den Beitrag der Wirtschaft zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele zu fördern, widmete sich die diesjährige Konferenz dem Thema „Unternehmen 2030: „Zielkonflikte lösen – Leitbilder schaffen“. Fokus war die Auseinandersetzung mit Zielkonflikten sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit und aktive Gestaltungsmöglichkeiten für die Wirtschaft. Die Konferenz bildete den Abschluss der Dialogserie „Unternehmen 2030“, in der zuvor zwei der bestimmenden Megatrends „Ressourcenknappheit“ und „Zukunft der Arbeit“ diskutiert wurden.

Zum Auftakt der Teilnehmerkonferenz begrüßte Marcel Engel, Leiter der DGCN Geschäftsstelle alle Teilnehmenden. Er betonte die weltweite Bedeutung des UN Global Compact als größte und wichtigste Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung, sowie den konkreten Mehrwert durch die Lern- und Dialogformate des DGCN. In Zeiten wachsender Unsicherheit innerhalb der Gesellschaft wies er auf die Bedeutung positiver Leitbilder und der Stärkung von Vertrauen und Offenheit hin. Er stellte den neu gewählten Vorsitzenden des Lenkungskreises Thorsten Pinkepank vor. In seiner neuen Funktion stellte Pinkepank die Generalsekretärin des UN Global Compact aus New York, Lise Kingo vor.

Marcel Engel, Leiter der DGCN Geschäftsstelle
Marcel Engel, Leiter der DGCN Geschäftsstelle
Thorsten Pinkepank, Vorsitzender des Lenkungskreis
Thorsten Pinkepank, Vorsitzender des Lenkungskreis
 

„It will take a lot of leadership, it will take all of us being change agents” - Lise Kingo

Lise Kingo erinnerte zu Beginn an den kürzlich verstorbenen ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen und Gründer des UN Global Compact, Kofi Annan. Seine Vision war es, im UN Global Compact unternehmerisches Handeln mit den Bedürfnissen Benachteiligter und den Erfordernissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen. Sie betonte die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit aller Stakeholder und nannte die zwei ihrer Meinung nach größten Herausforderungen, denen die Gesellschaft aktuell gegenübersteht: den Klimawandel und die weltweite soziale Ungleichheit. Die Überwindung damit verbundener Herausforderungen wie Wasserknappheit, Armut, Migration und Einkommenspolarisierung erfordert eine konsequente Anlehnung an die Sustainable Development Goals. Demzufolge sei die Unterstützung der Unternehmen zur Umsetzung der Agenda 2030 auf Basis der 10 Prinzipien wichtigste Aufgabe des UNGC und der Local Networks wie dem DGCN.

Lise Kingo, CEO und Exekutiv Direktorin des UNGC
Lise Kingo, CEO und Exekutiv Direktorin des UNGC
Richard David Precht, Publizist und Philosoph
Richard David Precht, Publizist und Philosoph
 

Richard David Precht, Publizist und Philosoph, nahm diesen Gedanken auf und betonte die massiv veränderten Spielregeln unseres Wirtschaftens durch die Digitalisierung. Seiner Ansicht nach sind die drei größten Probleme der Menschheit die Gefahr durch Klimawandel & Ressourcenknappheit; soziale Ungerechtigkeit und dadurch bedingte Armut und Migration sowie die Zukunft der Wirtschaft & Arbeit im Kontext der Digitalisierung. Die veränderten Wirtschafts- und Arbeitsbedingungen stellen dabei die größte Herausforderung an unsere Gesellschaft. Er skizzierte mögliche Lösungsansätze wie die Einführung eines durch eine Finanztransaktionssteuer getragenen bedingungslosen Grundeinkommens, eine Neuorientierung innerhalb der Entwicklungs-zusammenarbeit sowie eine Veränderung des politischen Wahlsystems. Seiner Ansicht nach bedarf es eines umfassenden Paradigmenwechsels, eines „neuen Betriebssystems“ für unsere Gesellschaft.

„Es bedarf einer gemeinsamen Haltung, wie wir das Maß der Dinge in Zukunft bestimmen“ - Saori Dubourg

Saori Dubourg, Vorständin der BASF SE und Managerin des Jahres 2017 bestätigte die Notwendigkeit einer grundlegenden Transformation. Aus ihrer Sicht sind dabei Lösungsorientierung und Optimismus genauso wichtig wie eine smarte Ressourcennutzung als Treiber neuer Geschäftsmodelle. Es geht nicht um die Frage, „Wie können wir mehr erreichen?“, sondern vielmehr darum „Wie können wir es cleverer machen?“. Der Wandel werde dabei von einer neuen Werteorientierung statt der bisherigen Volumenorientierung gekennzeichnet. Saori Dubourg betonte die fundamentalen Veränderungen durch Klimawandel und Digitalisierung und die Notwendigkeit des Hinterfragens von bestehenden Wirtschaftsmodellen.
Sie nannte den Value-to-Society-Ansatz der BASF, der sich der Frage widmet, wie betriebswirtschaftliche Ziele neu gedacht und soziale und ökologische Werte berücksichtigt werden. Abschließend wies sie auf die Bedeutung des Dialogs und der Multistakeholder Zusammenarbeit hin.

Saori Dubourg, Vorständin der BASF SE
Saori Dubourg, Vorständin der BASF SE
Panel-Diskussion: Zielkonflikte und Leitbilder
Panel-Diskussion: Zielkonflikte und Leitbilder
 

„Einer muss immer Vorreiter sein“ - Richard David Precht

Die folgende Panel-Diskussion, moderiert durch Julia Kropf, griff die thematisierten Zielkonflikte auf und diskutierte die Notwendigkeit positiver Leitbilder. Lise Kingo, Saori Dubourg und Richard David Precht stimmten darin überein, dass es einer wirtschaftlichen Neuorientierung bedarf und „nicht so weitergewirtschaftet werden kann, wie bisher“. Precht wies darauf hin, dass wir das alle bereits wissen, aber nicht glauben. Lise Kingo bestätigte diesen Gedanken und ergänzte, dass die Nachhaltigkeitsthematik zwar in der breiten Masse angekommen ist, wir den „Tipping Point“ an dem ein dringend notwendiges neues holistisches Wirtschaftsmodell akzeptiert wird, aber noch nicht erreicht haben. Saori Dubourg bestätigte diese Neuorientierung innerhalb wirtschaftlicher Parameter als eine „neue Form des Denkens“. Aus ihrer Sicht bedarf es eines konkreten Messrahmens, der Maßnahmen sichtbar macht.

Richard David Precht nannte eine Diskrepanz zwischen Wissen und Fühlen und Lise Kingo bestätigte ein „human lack of capacity to act on big and complicated themes“. Sie sieht darin die mögliche Vorreiterrolle des Global Compact, bei diesen Themen ein Gefühl von Dringlichkeit zu erzeugen. Erneut wies Saori Dubourg auf notwendige konkrete Rahmenbedingungen seitens der Politik (z.B. CO2-Pricing) hin. Richard David Precht fasste diesen Gedanken als einen „flächendeckenden Kulturwandel“ zusammen und forderte Europa dazu auf, trotz möglicher Wettbewerbsnachteile diese Rolle zu übernehmen. Zur aktuellen Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhaltes und des Vertrauens in etablierte Institutionen gab es einen Beitrag aus dem Plenum von Susanne Marell, führende Kommunikationsmanagerin Deutschlands. Sie bestätigte den Vertrauensverlust innerhalb der Gesellschaft. Innovationskraft werde nach wie vor eher Unternehmen zugesprochen, als der Politik, den NGOs oder den Medien. Die Wirtschaft trägt somit umso mehr die Verantwortung, sich mit gesellschaftlichen Veränderungen auseinanderzusetzen.

Abschließend wurde betont, dass die Kooperation aller Akteure sowie Optimismus und Lösungsorientierung wichtiger sind denn je. Denn keiner der Stakeholder kann die Herausforderungen der Zukunft alleine lösen.

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Konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze für Unternehmen

Am frühen Nachmittag starteten die Workshops des DGCN, die sich den diskutierten Themen des Vormittags widmeten. Den Teilnehmenden wurde die Möglichkeit geboten, praxisnahe Lösungen zu erarbeiten, wie Unternehmen bereits jetzt den aktuellen Anforderungen an soziale und ökologische Nachhaltigkeit gerecht werden können.

Im ersten Workshop zum Thema „Monitoring des Nationalen Aktionsplans – wie erfülle ich die Anforderungen?“ wurden die durch die Bundesregierung im NAP formulierten Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfalt betrachtet. Mit Hilfe von Experteninputs und Praxisbeispielen von Unternehmen konnten konkrete Anforderungen und mögliche Umsetzungsansätze diskutiert werden. Der zweite Workshop zum Thema „Science Based Targets“ für Wasser, Land und Biodiversität“ vermittelte einen Überblick über bestehende Ansätze zur Definition wissenschaftsbasierter Ziele. Der dritte Workshop zum Thema „Compliance und Digitalisierung – Herausforderungen und Good Practise“ diskutierte Chancen und Grenzen der Digitalisierung im Bereich Compliance anhand von Experteninputs und Praxisbeispielen.

Abgerundet wurde die Konferenz durch die jährliche DGCN-Teilnehmerversammlung, in welcher ein Rückblick auf die Arbeit des DGCN in 2018 gegeben und die Prioritäten des DGCN für 2019 abgestimmt wurden.
Bei einem anschließenden Get-together klang die Konferenz gemeinsam aus.

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Mehr Impressionen der Teilnehmerkonferenz finden Sie in der Gallerie.

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