Die Corona-Krise: Treiber für den Klimaschutz?

22.04.2020

Die vollumfänglichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden. Sicher ist jedoch, dass die Krise das zukünftige wirtschaftliche, soziale und politische System gravierend verändern wird. Bei den zu ergreifenden Maßnahmen wird empfohlen, unter anderem auch seitens der Wirtschaft, Umweltaspakte ebenfalls zu berücksichtigt. Aufbau und Umsetzung eines unternehmerischen Klimamanagements sind dabei unabdingbar und können dazu beitragen, die Resilienz von Unternehmen zu erhöhen.

Das neuartige Corona-Virus hält nun schon seit vielen Wochen die ganze Welt fest im Griff: das alltägliche Leben, die gesellschaftliche Ordnung sowie das konventionelle Wirtschaften sind in einer Art und Weise beeinträchtigt, wie man es kaum hätte befürchten können. Derzeit geht man von der Fledermaus als wahrscheinlichen Ursprung des Virus aus [1]. Die voranschreitende Zerstörung natürlicher Habitate wird auch in Zukunft die Übertragung von Krankheitserregern von Wildtieren auf den Menschen begünstigen [2]. Ebenso der Klimawandel, der durch Temperaturanstiege die Verbreitungsgebiete anderer Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, wie Malaria oder Dengue, vorantreibt [3]. Zudem vermuten Forscher*innen, dass eine erhöhte Luftverschmutzung zu einer erhöhten Letalität von COVID-19 Patienten führen kann [4, 5]. An diesen wenigen Beispielen ist erkennbar, wie die Themen Gesundheit, Umwelt- und Klimaschutz und somit auch die Wirtschaft miteinander verknüpft sind. 


Wenngleich zum aktuellen Zeitpunkt die vollumfänglichen ökonomischen Folgen der COVID-19-Pandemie noch nicht absehbar sind, deuten sich bereits jetzt massive Konsequenzen an: Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem am 08. April veröffentlichten Frühjahrsgutachten mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes im 2. Quartal 2020 um fast 10% [6]. In Deutschland sei dies die stärkste je gemessene Regression seit 1970 und mehr als doppelt so groß wie jener Einbruch während der globalen Finanzkrise im 1. Quartal 2009. Unternehmen stehen vor der riesigen Herausforderung mit dieser dramatischen Situation umzugehen – sei es bei der Aufrechterhaltung ihres Supply Chain Managements und der Produktionslinien, in der Handhabung der kollabierenden Nachfrage sowie durch die Krise bedingte Ausfälle am Unternehmensstandort.


Neben dem 25 Milliarden € umfassenden Coronavirus-Fonds für alle 27 Mitgliedsstaaten, hat die EU-Kommission Anfang April auch die Kreditnotprogramme der deutschen Bundesländer genehmigt, um Unternehmen möglichst schnell zu mehr Liquidität zu verhelfen. Zudem hat die Kommission bekräftigt, die intensive Arbeit am europäischen Green Deal trotz Krise fortzusetzen, welcher u.a. das Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050 verfolgt. Gleichzeitig steht aktuell im Raum die EU-Klimaschutzziele bis 2030 zu verschärfen – auf eine Reduktion von 50-55% gegenüber 1990 (aktuell: 40%) [7]. Dabei können Wirtschaftsanreize gut mit der Verschärfung einer unternehmerischen Klimastrategie verknüpft werden: Ökonomische Anreize der Regierungen für das Überwinden der Krise können jetzt für den Ausbau von klimafreundlicheren Technologien und Prozessen genutzt werden [8]. Aus umweltpolitischer Sicht sollten somit Lehren aus der Finanzkrise 2008/09 gezogen werden, um einen drastischen Anstieg der Emissionen post Corona durch einen starken Rebound-Effekt zu vermeiden.


Es gilt nun, die eine Krise nicht gegen die andere auszuspielen, sondern adäquate Synergien zu schaffen. Denn für den Klimaschutz kann die Corona-Krise durchaus Chancen bieten: Im wirtschaftlichen Wiederaufbau nach Corona bietet sich die Möglichkeit, das entstandene Kreditvolumen mit äußerst geringen Zinsen für klimafreundliche Investitionen zu nutzen, z.B. durch die Förderung sauberer Technologien, den Aufbau regionaler Produktionsstrukturen oder die Umstrukturierung des unternehmerischen Prozessmanagements. Deutsche Unternehmen können hier eine Vorreiterrolle einnehmen und als First Mover agieren, indem sie sich durch aktives Klimamanagement und der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen (z.B. bei der Ausgestaltung globaler Wertschöpfungsketten oder dem Aufbau dezentraler Energieversorgungssystem mittels digitaler Lösungen [9]) zukünftig resilienter aufstellen. In der Initiative „Business Ambition for 1.5°“ des UN Global Compact haben sich beispielsweise bereits mehr als 200 Unternehmen [10] zu ehrgeizigen Klimazielen verpflichtet, die im Einklang mit den Anforderungen einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C stehen. 


Der UN Generalsekretär António Guterres benennt die Corona-Krise in seiner Rede zum Earth Day am 22. April als einen Weckruf und zeigt auf, wie Maßnahmen in der Krise gleichzeitig den Klimaschutz berücksichtigen sollten und somit zu Gesundheit und Resilienz beitragen können. Sehen Sie hier die vollständige Rede. 


Das DGCN-Angebot zu Klimamanagement bietet auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Formaten und Veranstaltungen, um die teilnehmenden Unternehmen beim Aufbau eines proaktiven Klimamanagements zu unterstützen. Hierunter zählen Webinare rund um das Thema Klimamanagement, das neu konzipierte Trainingsprogramm „Fit für‘s Klimamanagement“ sowie der Austausch in diversen Peer Learning Groups. 


Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Lena Kern.



1.https://www.who.int/news-room/q-a-detail/q-a-coronaviruses
2.https://www.theguardian.com/world/2020/mar/25/coronavirus-nature-is-sending-us-a-message-says-un-environment-chief
3.https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/climate-change-and-health
4.https://www.theguardian.com/environment/2020/apr/21/preliminary-study-links-air-pollution-to-coronavirus-deaths-in-england
5.https://www.dw.com/en/coronavirus-air-pollution-might-raise-risk-of-fatality/a-52977422
6.https://www.ifo.de/node/54372
7.https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/12265-2030-Climate-Target-Plan
8.https://www.weforum.org/agenda/2020/04/how-to-build-back-better-after-covid-19/
9.https://www.csc-blog.org/de/oekologie-der-daten-die-corona-krise-sollten-wir-als-chance-nutzen-digitalisierung-fuer
10.https://www.unglobalcompact.org/take-action/events/climate-action-summit-2019/business-ambition/business-leaders-taking-action (Stand: 21. April 2020)


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