Unternehmerisches Engagement für Flüchtlinge

Workshop

Foto: GIZ/Ursula Meissner

 

Als Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen durch die hohe Anzahl von Flüchtlingen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika, appelliert der UN Global Compact an Unternehmen, sich aktiv zu engagieren. In Partnerschaft mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk und anderen Unterstützern werden im Rahmen des „Business Action Pledge in Response to the Refugee Crisis“ Unternehmen dazu aufgerufen, sich zu Aktivitäten zur Unterstützung der Flüchtlinge oder der Integration in das gesellschaftliche Umfeld zu bekennen.

Das Deutsche Global Compact Netzwerk unterstützt diese Initiative ausdrücklich und hat seine Unterzeichner dazu aufgerufen, den Pledge zu unterzeichnen und sich zu engagieren. Viele deutsche Unternehmen gehen bereits voran und haben vielfältige Aktivitäten zur Unterstützung von Flüchtlingen gestartet. Dies geschieht über finanzielle Zuwendungen, öffentliches Commitment oder Partnerschaften mit Hilfsorganisationen bis hin zu einer Integration der Aktivitäten ins Kerngeschäft. Dazu zählen oftmals Aus- und Weiterbildungsprogramme für Flüchtlinge und weitere Maßnahmen aus dem Human Resources Bereich sowie die kostengünstige Bereitstellung von Dienstleistungen und Produkten.

Einige Beispiele möchten wir Ihnen an dieser Stelle präsentieren und Sie aufrufen, uns Ihre Good Practices ebenfalls zukommen zu lassen:

Unternehmensbeispiel TÜV Rheinland

In Form von verschiedenen Hilfsprojekten möchte TÜV Rheinland Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten, dabei unterstützen, ein solides Fundament für ihr zukünftiges Berufsleben zu schaffen und sich erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Bereits im Jahr 2015 wurden deshalb folgende Maßnahmen begonnen:

  • Die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen soll Flüchtlinge auf ihr zukünftiges Berufsleben vorbereiten. In enger Zusammenarbeit mit der IHK Köln hat TÜV Rheinland im Rahmen einer „Einstiegsqualifizierung“ die ersten Flüchtlinge am Standort Köln in den Bereichen IT und Werkstoffprüfung eingestellt. Nach einem halben Jahr bietet ihnen TÜV Rheinland die Möglichkeit, ein Ausbildungsverhältnis zu beginnen. Darüber hinaus werden nach Möglichkeit Praktika und Sprachkurse organisiert, um geeignete Kandidaten auf eine Ausbildung, beispielswiese als Mechatroniker oder Koch vorzubereiten. Dieses Modell weitet TÜV Rheinland aus und möchte somit zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres zehn Flüchtlinge in Ausbildungsverhältnisse übernehmen.
  • Mit dem Angebot von Sprachkursen will TÜV Rheinland Flüchtlinge dazu ermutigen ein aktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden. Die TÜV Rheinland Akademie hat Ende letzten Jahres in Köln Sprachkurse für Flüchtlinge, insbesondere auch für Frauen mit Kindern, gestartet. Im Vordergrund steht die Vermittlung von Sprachkenntnissen, die bei der Bewältigung von Alltagssituationen helfen sollen. 800 Flüchtlinge haben dieses Angebot bereits wahrgenommen.   
  • Darüber hinaus unterstützt TÜV Rheinland seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrem ehrenamtlichen Engagement an den Standorten Köln, Berlin und Nürnberg. Am Flughafen Köln/Bonn sowie am Bahnhof Berlin-Schönefeld halfen jeweils zehn Mitarbeiter beim Empfang, der Registrierung und Betreuung ankommender Flüchtlinge. In Nürnberg unterstützte TÜV Rheinland Ende letzten Jahres das Deutsche Rote Kreuz bei der Sortierung von Sachspenden. Insgesamt 30 Mitarbeiter beteiligten sich an dieser Aktion. Darüber hinaus sammelten unsere Mitarbeiter in Köln, Berlin und Nürnberg selbst Sachspenden für Flüchtlinge. TÜV Rheinland unterstützt seine Mitarbeiter hierbei und stellt sie für die entsprechenden Einsatztage von der Arbeit frei.

Unternehmensbeispiel Telekom

Die Deutsche Telekom unterstützt die Bemühungen der Hilfsverbände und der öffentlichen Hand bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge. Um möglichst rasch und unbürokratisch helfen zu können, wurde eine unternehmensinterne Task-Force unter Vorsitz des Personal-Chefs gebildet.
Konkret hat das Hilfsangebot diese Schwerpunkte:
• Unterstützung bei der Versorgung von Flüchtlingsunterkünften mit WLAN
• Unterstützung der Behörden bei der Suche nach Gebäuden
• Entsendung von Mitarbeitern an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
• Unterstützung der Mitarbeiter in ihrem ehrenamtlichen Engagement für Flüchtlinge
• Aufbau eines Flüchtlings-Portals mit Informationen für Flüchtlinge
• Zurverfügungstellung von Praktikantenplätzen für Flüchtlinge
Mehr zu den Aktivitäten finden Sie hier.

Unternehmensbeispiel BMW Group

Die BMW Group ist bereits seit mehreren Jahren an verschiedenen Integrationsprojekten beteiligt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung möchte BMW ein weiteres Maßnahmenpaket auf den Weg bringen. Dies wird eine Kombination aus Sprachkursen und Einsätzen zur Berufsorientierung und Qualifikation sein: 

  • Der erste Baustein ist das Angebot an höher qualifizierte Flüchtlinge, einen Orientierungseinsatz mit flankierendem Sprachkurs bei der BMW Group zu machen. Dies wird in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit erfolgen, mit der der Prozess bereits abgestimmt ist. Mit ca. 50 Flüchtlingen wird voraussichtlich im Januar 2016 am Standort München gestartet.
  • Sukzessive soll dieses Angebot auf die BMW Werks-Standorte Landshut, Dingolfing, Regensburg, Leipzig sowie Berlin und ausgewählte Niederlassungen der BMW Group ausgedehnt werden.
  • Außerdem prüft BMW gerade, wie kurzfristig Flüchtlinge in das betriebliche Einstiegsqualifizierungsprogramm der BMW Group einbezogen werden können und ggf. auch in die Berufsausbildung.

Unternehmensbeispiel Lanxess

LANXESS hilft Flüchtlingen an seinen Standorten in Deutschland und stellt dafür 400.000 Euro bereit. Die finanzielle Unterstützung wird bedarfsgerecht an ausgewählte Projekte schwerpunktmäßig in Köln, Dormagen, Leverkusen und Krefeld fließen.

Im Gespräch sind unter anderem die Finanzierung von Sprachkursen, die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien, die Anmietung von Räumen sowie der Aufbau von Betreuungsmöglichkeiten für die Einführungsklassen von schulpflichtigen Flüchtlingskindern.

Zudem ermöglicht das Unternehmen die bezahlte Freistellung für Beschäftigte bei persönlichem Engagement.

Mehr Informationen zum Engagement von LANXESS finden Sie hier.

Unternehmensbeispiel Metro Group

Die Unterstützung von Flüchtlingen durch die METRO GROUP lässt sich in mehrere Teilbereiche gliedern:

  • humanitäre Hilfe in Zusammenarbeit mit der „International Federation of Red Cross“, welches mit 300.000 Euro Soforthilfe unterstützt wird.
  • Förderung lokaler Projekte der MitarbeiterInnen zur Flüchtlingshilfe: Dafür wurde ein Spendenfonds von einer Million Euro eingerichtet. Einzelne Projekte erhalten nach erfolgreicher Bewerbung – die durch eine Fachgruppe gesichtet werden – maximal 10.000 Euro Unterstützung. Das Engagement reicht hier von Sprachkursen, Kleiderspenden, Sportangeboten zu Patenschaften und zielt darauf ab, die Not der Flüchtlinge zu lindern und/oder ihre Integration in die Gesellschaft zu unterstützen.
  • Zusätzlich kommt den Flüchtlingen auch die globale Initiative Care & Share der METRO Cash & Carry zu Gute, die bereits seit Jahren soziales und ökologisches Engagement der MitarbeiterInnen und KundInnen der METRO GROUP fördert, zum Beispiel durch Lebensmittel- und Kleiderspenden.

Hier können Sie mehr über das Engagement der METRO GROUP erfahren:

Link zur Zusammenarbeit mit der "International Federation of Red Cross"

Link zum Spendenfonds der METRO GROUP

Unternehmensbeispiel Deutsche Post DHL Group

Die Deutsche Post DHL Group leistet mit Partnern (Aktion Deutschland Hilft, SOS-Kinderdorf, Stiftung Lesen und Teach First Deutschland) einen Beitrag zur Flüchtlingshilfe, der mehrere Komponenten umfasst:

  • Als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland bietet das Unternehmen bis zu 1.000 Praktika an, die perspektivisch zu Ausbildung und Arbeit führen können.
  • Die Deutsche Post hat in ihren Niederlassungen ein Netzwerk aus 100 Koordinatoren gebildet. Diese haben die Aufgabe, gemeinsam mit den beteiligten Hilfsorganisationen deutschlandweit auf lokaler Ebene Projekte zu identifizieren und zu betreuen.
  • Der Konzern wird bis zu 10.000 Kolleginnen und Kollegen motivieren, sich lokal in diese Projekte ehrenamtlich einzubringen.
  • Für Projekte zur Integration von Flüchtlingen stellt das Unternehmen für das erste Jahr eine Million Euro zur Verfügung, u.a. werden lokale Projekte unterstützt, Lesepatenschaften gefördert, Integrationslotsen geschult.
  • Zusätzlich führt das Unternehmen mit den zuständigen Stellen bei Bund und Ländern Gespräche über die Nutzung von bis zu 100.000 Quadratmetern Liegenschaften für Flüchtlingsunterkünfte sowie über den Einsatz von Mitarbeitern für Verwaltungsaufgaben.

Der Startschuss der Initiative fiel am 17. September 2015, sie ist für mindestens ein Jahr angelegt.

Mehr Informationen zum Engagement von Deutsche Post DHL Group finden Sie hier.

Unternehmensbeispiel Deutsche Bahn AG

Seit November 2015 sind bei der Deutschen Bahn AG zwei Projekte zur Unterstützung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt angelaufen:

  • Qualifizierungsprogramm für berufserfahrene Flüchtlinge in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, der Landeshauptstadt München, der IHK für München und Oberbayern sowie dem Bildungswerk der Bayrischen Wirtschaft: dieses Programm ermöglicht es Flüchtlingen, die bereits Berufserfahrungen oder eine Ausbildung im elektrotechnischen Bereich absolviert haben. Ziel der 28-monatigen Umschulung ist ein Abschluss als Elektroniker. Bei erfolgreichem Projektverlauf soll das Programm regelmäßig angeboten und auf ganz Bayern ausgeweitet werden.
  • Ausweitung des Programms „Chance Plus“: seit November wurde das bereits für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bestehende Projekt zusätzlich auch für Flüchtlinge geöffnet. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, welches den Berufseinstieg erleichtern soll. Seit dem 11.11.2015 haben in München sechs Flüchtlinge das Programm begonnen. Insgesamt soll im Jahrgang 2015/16 die Teilnahme von bis zu 30 Flüchtlingen in verschiedenen Standorten in Deutschland ermöglicht werden.

In beiden Programmen nehmen die Teilnehmer an einem Sprachkurs teil.

Für mehr Informationen zum Engagement der Deutsche Bahn AG, klicken Sie bitte hier.

Die erste Klasse des Qualifizierungsprogramms zu Besuch im ICE-Werk München

Unternehmensbeispiel RWE AG

Die RWE AG bietet Unterstützung für Flüchtlinge und ihre Integration in verschiedenen Formaten und Programmen an:

  • Hilfestellung bei administrativen Formalitäten
  • Organisation von Freizeitaktivitäten
  • Mithilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit verschiedener Institutionen
  • Unterstützung von Helfern in Flüchtlingslagern
  • Sammeln von Sachspenden (v.a. Kleidung und Hygieneartikel)
  • Organisation von Trainings für Pilotprojekte in der Integration
  • Sprachunterricht
  • Renovierung von Flüchtlingsunterkünften
  • Mitwirkung an verschiedenen Projekten durch RWE Trainees (z. B. Organisation eines gemeinsamen Projekttags mit verschiedenen Freizeitaktivitäten)

Unternehmensbeispiel Robert Bosch GmbH

Die Flüchtlingssituation und die daraus resultierende Notwendigkeit, die vor Krieg fliehenden Menschen in eine für sie noch fremde Gesellschaft zu integrieren, stellt eine außerordentliche Herausforderung dar. Um hier einen aktiven Beitrag zu leisten, führt Bosch zahlreiche Aktivitäten zur Unterstützung der Flüchtlinge durch.

  • Schaffung von 200 zusätzlichen Praktikumsplätzen
  • Spendenaufruf von Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern an die Mitarbeiter, mit dem Versprechen, jeden bis Ende Januar 2016 gespendeten Euro zu verdoppeln
  • Bereitstellung von 500.000 Euro für integrationsfördernde Maßnahmen der Standorte
  • Bereitstellung von Grundstücksflächen für Flüchtlingsunterkünfte an Gemeinden


Darüber hinaus engagieren sich viele Mitarbeiter von Bosch ehrenamtlich zum Wohle der Flüchtlinge.

  • Unterstützung von gemeinnützigen Initiativen und Organisationen
  • Angebot von Sprachkursen und Übersetzungshilfen sowie Begleitung bei Behördengängen
  • Organisation von Weihnachtsveranstaltungen mit Geschenken
  • Sammlung und Übermittlung von Kleider- und Sachspenden
  • Organisation von interkulturellen Begegnungen

Mehr Informationen finden Sie hier.

Unternehmensbeispiel K+S AG

K+S AG engagiert sich für Flüchtlinge

K+S unterstützt Organisationen, Initiativen und Behörden, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren mit ganz gezielten Aktionen im Umfeld der Unternehmensstandorte. Seit Mitte 2015 hat K+S durch Spenden sowie Mitarbeiter- oder Unternehmensinitiativen schnell und pragmatisch „Ersthilfe“ geleistet. Langfristig liegt der Schwerpunkt nun darauf, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen.

• K+S beteiligt sich an der bundesweiten Initiative InCharge. Bei deren Mentoren-Programm helfen K+S-Mitarbeiter Flüchtlingen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.
• Mit einem Angebot zur Berufsorientierung leistet K+S einen Beitrag zur Integration ausbildungssuchender Flüchtlinge. Ziel des Programms zur Einstiegsqualifizierung ist es, junge Flüchtlinge ebenso wie deutsche Jugendliche so vorzubereiten, dass sie eine Ausbildung bei K+S beginnen können. In Ausbildungszentren lernen die jungen Menschen Inhalte und Möglichkeiten einer Ausbildung bei K+S kennen. Zugleich werden sie unterstützt, ihre beruflichen Interessen sowie Stärken und Schwächen festzustellen.
• Unterstützung der Mitarbeiter in ihrem Engagement für Flüchtlinge: Im Rahmen der „Ersthilfe“ wurden 2015 ehrenamtliche Helfer bis zu zwei Wochen bei voller Bezahlung von der Arbeit freigestellt. Es engagierten sich ca. 60 Mitarbeiter in rund 110 Freischichten.
• Mitarbeiter halfen bei Renovierungsarbeiten in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel mit vielen Familien und Kindern, für die zudem Sachspenden gesammelt wurden.
• K+S unterstützt Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie Behörden von Städten und Gemeinden mit Sach- und Geldspenden.

Einige Beispiele:
› Gemeinsam mit dem Mercedes-Benz Werk Kassel finanziert K+S seit Oktober 2015 eine „Fahrende Kleiderkammer“ für das DRK Kassel.
› Die K+S-Einkaufsabteilung beschaffte Material zum Aufbau und zur Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften in Fulda und Kassel.
› Das Werk Borth der K+S-Tochtergesellschaft esco spendete Speisesalz an eine französische Hilfsorganisation, die Flüchtlinge am Eurotunnel in Calais versorgt.
• An mehreren Unternehmensstandorten stellt K+S Immobilien als Wohnunterkünfte sowie Konferenzräume für Sprachkurse zur Verfügung.

Mehr Informationen zur Beteiligung von K+S an der Initiative InCharge finden Sie hier.


Außerdem:

K+S hilft mit Containern für Flüchtlingsunterkunft.

Flüchtlingshilfe mit „Fahrender Kleiderkammer“.

Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements von Mitarbeitern.





Falls Sie Fragen haben oder Ihre Aktivitäten mitteilen möchten, wenden Sie sich bitte telefonisch (+49 (0) 30 72614-239) oder per Email an die DGCN Geschäftsstelle.

 
 

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