Bayer AG

Klimaneutralität durch wissenschaftlich fundierte Ziele

Case Study
Titel
Klimaneutralität durch wissenschaftlich fundierte Ziele
Unternehmen & Organisation
Bayer AG
Kategorie
Unternehmen
Themenbereich
Umwelt & Klima
Anvisierte SDGs
12, 13
Jahr
2020
Bayer hat sich das Ziel gesetzt ab dem Jahr 2030 klimaneutral sein. Das Unternehmen hat sich dazu wissenschaftlich fundierte Ziele im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen gesetzt. Hierzu gehört die Reduktion der direkten und indirekten Treibhausgas (THG)-Emissionen um 42% gegenüber 2019. Der folgende Beitrag beleuchtet Bayers Klimastrategie genauer.

Ausgangssituation

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Fokus auf den Gebieten Gesundheit und Ernährung. Als wichtiger Akteur in Landwirtschaft und Gesundheit ist Nachhaltigkeit ein zentraler Bestandteil der Geschäftsstrategie und bildet einen von vier Schwerpunkten. Mit der 2019 überarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie orientiert sich Bayer an der Agenda 2030 und ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs).

Eine der drängendsten Herausforderungen dabei ist der Klimawandel. So sind für das Unternehmen u.a. die Auswirkungen des Klimawandels für landwirtschaftlichen Produkte relevant: Der Klimawandel erhöht sowohl die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterlagen als auch das damit verbundene Risiko von Ernteausfällen. Zudem drohen Produktionsschwierigkeiten entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Aus diesem Grund hat sich Bayer als eins von über 3.000 Unternehmen der Science Based Targets Initiative (SBTi) angeschlossen. Unternehmen verpflichten sich im Rahmen der Initiative zu wissenschaftlich fundierten Emissionsreduktionen und berichten jährlich über ihre THG-Emissionen und die Fortschritte bei der Erreichung ihrer Ziele.

Zielsetzung & Umsetzungsansatz

Bayer hat in Übereinstimmung mit der SBTi eine Klimastrategie mit ambitionierten Dekarbonisierungszielen im Rahmen der Kampagne „Business Ambition for 1,5ºC“ entwickelt. Die „Business Ambition for 1,5ºC“ wird von der SBTi in Partnerschaft mit dem UN Global Compact und der We Mean Business Coalition durchgeführt und besagt, dass der Grenzwert der aktuellen Klimaerwärmung die 1,5ºC nicht überschreiten darf. Unternehmen sind daher angehalten bis 2050 eine ausgeglichene THG-Bilanz im Sinne der Netto-Null-Emissionen (Net-Zero) zu verfolgen.

Um dies zu erreichen, orientiert sich Bayer  bei seinem Klimamanagement und -berichterstattung an den Empfehlungen des „Greenhouse Gas Protocols“ (GHG Protocol). Das GHG Protocol ist der aktuelle Standard zur Berechnung der Klimabilanz eines Unternehmens und berücksichtigt alle relevanten Klimagase und deren äquivalente Klimawirkung im Vergleich zu CO2 (CO2-Äquivalente, CO2e). Dazu werden drei Bereiche (Scopes) von THG-Emissionen unterschieden:

  • die direkten Emissionen aus eigenen Kraftwerken, Fahrzeugen, Abfallverbrennungs- und Produktionsanlagen (Scope 1),
  • die indirekten Emissionen aus dem Bezug von Strom, Kälte oder Wärme (Scope 2) und weitere indirekte Emissionen,
  • die Emissionen, die in der vor- und nachgelagerten Lieferkette und während der Nutzungsphase anfallen (Scope 3).

Bayer berücksichtigt für seine Berechnungen die Emissionen aus eingekauften Gütern und Dienstleistungen, Kapitalgütern, Brennstoff- und energiebezogene Emissionen, Emissionen aus Transport und Verteilung sowie aus Geschäftsreisen.

Die Klimaneutralität der eigenen Standorte gehört in diesem Rahmen zu den formulierten Konzernzielen, die Bayer bis 2030 erreichen will. Zu diesem Zweck werden eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt, die sich auf Energieeffizienz, Energiequellen, Ausgleichsmaßnahmen und die Wertschöpfungskette konzentrieren. Zwischen 2020 und 2030 sollen bspw. 500 Millionen Euro in Energieeffizienz und klimafreundliche Maßnahmen investiert werden.So baut Bayer derzeit eine neue Pharma-Produktionsanlage, deren Energiebedarf weitgehend durch eine moderne Geothermieanlage gedeckt werden soll. Im Zuge dessen, soll der CO2-Ausstoß im Vergleich zu bisherigen Anlagen um 70% reduziert werden (Scope 1). Im Bereich Scope 2 soll bis Ende 2029 der eingekaufte Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen stammen. Hierbei baut Bayer größtenteils auf PPA (Power Purchase Agreements), d.h. spezielle mittel- bis langfristige Stromlieferverträge mit Energielieferanten die sowohl Abnahmemenge als auch -preis definieren. Um eine höhere Transparenz zu gewährleisten, hat Bayer die Kriterien für den Bezug von Ökostrom auf der Firmenwebsite veröffentlicht. Hier zählen die räumliche Nähe zwischen der Stromgewinnung und den Bayer-Standorten, die Nutzung neuer Erzeugungsquellen sowie der Fokus auf Wind- und Solarstrom. Die Kriterien orientieren sich an den „Ökostrom next generation“-Richtlinien des WWF (World Wildlife Fund For Nature).

In der Klimastrategie berücksichtigt Bayer neben der Vermeidung und direkten Reduktion auch die indirekte Reduktion durch CO2-Kompensation. Da jedoch das Offsetting durch Zertifikate in der Kritik steht, Bayer nach eigenen Angaben schwer zu vermeidende Emissionen und deren Auswirkungen auf die Atmosphäre dennoch kompensieren will, setzt es auf Transparenz in der Kompensationsstrategie (s. Link). Bayer hat interne Qualitätsanforderungen für Kompensationsprojekte eingeführt - zum Beispiel, die Zertifizierung von Projekten nach international anerkannten Standards. Zentral ist hierbei, dass durch die finanzierten Projekte der Kompensation die langfristige Bindung von CO2 ermöglicht werden soll (Permanenz). Außerdem ist explizit in den eigenen Kriterien festgehalten, dass Projekte nur dann förderungswürdig sind, wenn diese ohne den Verkauf der Zertifikate nicht <meta charset="UTF-8" />erfolgen würden (Zusätzlichkeit). Hiermit soll die Kompensation weiterhin möglich bleiben, bei gleichzeitiger Beachtung der Kritik gegenüber der Zusätzlichkeit und der Dauerhaftigkeit der CO2-Bindung. Des Weiteren, soll die Kompensation der CO2-Emissionen soll gemäß der Klimastrategie mit dem Net-Zero-Ziel im Verlauf bis 2050 kontinuierlich absinken.

Für ein verbessertes Klimamanagement entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette engagiert sich Bayer im Rahmen der Initiative „Together for Sustainability" (TfS) der chemischen Industrie. Hier engagiert sich das Unternehmen in der Arbeitsgruppe zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Lieferkette. Ziel ist es, für die chemische Industrie die Berechnung eines produktbezogenen CO2-Fußabdrucks (Product Carbon Footprint, PCF) zu standardisieren. Gleichzeitig wird ein Ansatz entwickelt, der den produktbezogenen CO2-Fußabdruck innerhalb der Wertschöpfungskette weitergegeben werden kann. Wichtige Daten dazu liefert die „Supply Chain Initiative“ des CDP:Hierzu werden die Treibhausgasemissionen der strategisch wichtigen Lieferanten und der Anteil, der auf Produkte und Dienstleistungen von Bayer entfällt, erhoben. Auch Reduktionsziele und die Nutzung von erneuerbaren Energien werden abgefragt. Ziel ist es, die von den Lieferanten erhobenen Daten besser in die Berechnung der unternehmerischen Emissionen für die Wertschöpfungskette integrieren zu können.

Ergebnisse

Bayer hat sich mit der „Business Ambition for 1,5ºC“ wissenschaftsbasierte Klimaziele gesetzt, die sich an den Anforderungen für CO2e-Einsparungsziele des Pariser Klimaschutzabkommens orientieren Netto-Null-Emissionen (Net-Zero) bis 2050 zu verfolgen. Bayer hat sich daher selbstverpflichtet, die Reduktion der CO2e-Emissionen im Scope-1- und Scope-2-Bereich, um mindestens 42% bis 2029 im Vergleich zu 2019 zu verfolgen. Das entspricht ca. 1,56 Millionen Tonnen in einem Jahr (Stand 2029). Zudem strebt Bayer eine Reduktion der Emissionen im Scope-3-Bereich um 12,3% an. Aufgrund der großen Anzahl an Lieferanten ist dieses Ziel ambitioniert und entscheidend für das Reduktionsziel der eigenen Emissionen.

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